Hochsensibel – die nächste Scheinheiligkeit in Unternehmen

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Hochsensibel – die nächste Scheinheiligkeit in Unternehmen

dass du dich so sehr über das neue Training „Achtsamkeit am Arbeitsplatz“ und den Workshop „Wie Hochsensible sich durchsetzen können“ in deinem Unternehmen freust, kann ich nur bedingt verstehen. Natürlich ist es eine gute Sache, dass immer mehr Organisationen etwas an der fortlaufend steigenden Burn-out-Rate ändern wollen. Aber mit einem Hochsensiblen-Workshop?

Für mich ist das nur ein weiterer Heiligenschein, den sich Unternehmen zusprechen wollen.

Ganz nach dem Motto: „Wir tun etwas für unsere Mitarbeiter und deren Gesundheit.“ Doch wie soll ihnen mit so einem scheinheiligen Schwachsinn geholfen werden? 

Wenn wir beide mal die Welt der Scheinheiligkeit für einen kurzen Moment verlassen, dann sehe ich, dass Unternehmen die Normalität der Mitarbeiter als etwas Abnormales abstempeln. Das ist eine Frechheit! Auch auf deiner Stirn steht von nun an „Hochsensibel“. 

Ich empfinde das als tiefste Dunkelheit – als völliges Tappen im Dunkeln. Wer sollen denn diese Hochsensiblen überhaupt sein? Ganz normale Menschen, die normale gesunde Emotionen haben, mit normalen Empfindungen und Reaktionen? Menschen, die sich nicht anschreien lassen wollen, die in Besprechungen einen Rappel kriegen, weil wieder keine Entscheidung getroffen wurde? Menschen, die Machtgehabe und politische Spielchen nicht mehr ertragen? Menschen, die nicht mehr bereit sind, Mehrarbeit zu leisten, weil andere keine Verantwortung übernehmen wollen? 

Liebe Dorothee, in meinem Menschenbild sind das keine Hochsensiblen – auch du nicht –, sondern Menschen mit gesunden Verhaltensweisen, die sich eben irgendwann zu Frustration, Resignation, Erschöpfung und einem Gefühl von Sinnlosigkeit gewandelt haben. Du bist ganz sicher nicht falsch. 

Falsch sind ganz andere Menschen, nämlich die Psychopathen, Narzissten und Nicht-Leister in deinem Unternehmen. 

Sie sind diejenigen, die fest im Sattel sitzen und immer weiter nach oben befördert werden. Gibt es für die vielleicht einen Workshop, indem sie an ihrem Verhalten arbeiten sollen? 

Solchen Führungskräften fehlt es in meinen Augen nämlich an Elementarem: an Menschlichkeit und Feingefühl. Wieso also machst du dir, Dorothee, so viele Gedanken darüber, dass du vielleicht sensibler bist, wenn es doch die kalten Schnauzen in deinem Unternehmen sind, die Hilfe brauchen?

Was ich in der ganzen Geschichte vermisse, ist der Mut der Unternehmen hinzuschauen, wachsam zu sein und wirklich auf Basis der Realität zu handeln. 

In meinen Augen müssen Unternehmen ihre Konstrukte überdenken. 

Denn die funktionieren ganz klar nach Schema F: Kennzahlen, pures Management und durchgestylte Prozesse sichern den Gewinn. Dieses Konstrukt liegt meist unter den Leitbildern und Werten. Die sind zwar schön, haben aber in der Regel nichts mit dem erlebten Verhalten zu tun. Sie sind das Blumengebinde auf dem „harten Boden der Realität“. Ansonsten würden Unternehmer vermehrt den Mut haben, Narzissten und Nicht-Leister wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stellen. Doch das ist ja keine Option. 

Zweifle deshalb nicht an deinem Wesen, Dorothee. Sondern siehe die Misere in deinem Unternehmen als das an, was sie ist: der nächste Irrsinn in einer Welt voll Scheinheiligkeit. Die Narzissten und Nicht-Leister werden sich nicht ändern, warum dann also du? 

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