Lass den Zirkus! Lebe!

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Lass den Zirkus! Lebe!

Alltag, Antje Bach, Stress, Tunnelblick

den „Stresstunnel“, von dem du so anschaulich schreibst, kenne ich natürlich auch. Viel zu oft steckte ich darin auch schon fest: Das Blickfeld wird gefühlt immer enger, weil der Stress exponentiell zunimmt – und alles wächst einem über den Kopf. Unangenehm, unkreativ. Man will da raus. Klar. 

Deshalb: Setz dich nicht zu sehr unter Druck! Je mehr Druck du dir machst, desto mehr Stress erzeugst du. Und je gestresster du bist, desto fester steckst du in diesem Tunnel – und dir wächst erst recht alles über den Kopf. 

Es ist eine Frage der Justierung, eine Frage der Entspannung, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. 

Den gefährlichen Tunnelblick hast du, wenn du im Meeting sitzt und dein Kopf sich an dieses eine Detail, diesen einen Störenfried klammert. Was dir dann fehlt, ist der Weitblick, der dir hilft, die Situation wieder in Gänze wahrzunehmen und einzuordnen – im wahrsten Sinne des Wortes, die Weitsicht.

Der Weitblick wird komplexeren Situationen gerecht. Ohne ihn wirst du in einer immer komplexer werdenden Welt nicht weit kommen. Dein Weitblick hilft dir, dich zu orientieren, Muster und Zusammenhänge zu erkennen, einzelne Momente und Gedanken in den Gesamtkontext einzuordnen. Es ist dieser Weitblick, der dich Chancen und Möglichkeiten sehen lässt und der dafür sorgt, dass du kreativ sein kannst. 

Darum, gönne dir ab und an ruhig ein bisschen Tagträumerei. 

Lass den Blick schweifen, entspanne bewusst Deine Augenmuskulatur und freue dich darauf, dass dein wohltuender Weitblick zurückkehrt. Ich bin mir sicher, er kann einen gelingenden Umgang mit dem Stress unterstützen.

Eines noch, damit du mich nicht missverstehst: Den Tunnelblick braucht niemand. Denn wer braucht schon eine eingeschränkte Sicht der Dinge? Brauchbar und sinnvoll hingegen ist der Fokus: Die bewusste Konzentration auf eine Sache. Damit kannst du eine Tasse bemalen, die Steuererklärung machen oder einen Elfmeter verwandeln. Es braucht einfach nur besondere Aufmerksamkeit dass dir der Fokus nicht zur Gewohnheit wird und zum Tunnelblick mutiert. 

Doch manchmal ist die Zeit einfach reif – für Urlaub. 

Nämlich dann, wenn dir der Weitblick fehlt. Für Urlaub vom Leben bin ich versucht, dir zu schreiben. Aber geht das überhaupt – Urlaub vom Leben?  

Was ich überall beobachte: Die Menschen sind gestresst, nicht mehr präsent. Sie nehmen ihre Umwelt nicht mehr wahr, tun die eine Sache – und denken an eine andere. Sie können sich nicht mehr konzentrieren, ihnen fehlt das Glitzern in den Augen. 

Es ist vielleicht die Art von Leben der heutigen Zeit: Die meisten Menschen leben gar nicht mehr richtig, sondern wirbeln wie Akrobaten an einem Trapez herum und gaukeln sich vor, das sei das wahre Leben. Nur nicht durch die Maschen fallen, die sie sich selbst oder das Umfeld ihnen geknüpft hat. Wenn ich mir dieses wilde Treiben im Alltag anschaue, frage ich mich: 

Sind wir überhaupt noch Menschen oder nur noch Zirkusakrobaten?

Doch kein Urlaub kann die Menschen retten. Die Erholung des ersehnten Urlaubs hält nur kurz an. Es muss also anders gehen. Deshalb plädiere ich für Auszeiten, die du dir selbstständig nimmst. Integriere die guten Momente deiner Urlaube in deinen Alltag. 

Was hat dir im Urlaub besondere Freude bereitet? In der Praxis sieht das bei mir so aus: Ich höre Menschen aus spannenden, neuen Kulturen in fremden Ländern gerne zu. Also tue ich das im Alltag bei den Menschen in meiner Umgebung auch. Ausserdem sitze ich im Urlaub gerne stundenlang im Strassencafé und geniesse, dass ich gerade nichts erledigen muss. Deshalb integriere ich dieses Urlaubsgefühl im Kleinformat in meinen Alltag. Wenn ich abends beispielsweise nach einem Workshop in mein Hotel laufe, setze ich mich 15 Minuten auf eine Parkbank und beobachte einfach nur die Menschen um mich herum – ein „Da-Sein-in-der-Welt“. Diese Art von Urlaub im Alltag kann den gelebten und gefühlten Alltag wieder mehr erfüllen – Du füllst ihn mit kleinen wohltuenden Momenten. 

Du wirst nicht nur präsenter und konzentrierter, sondern auch ausgeglichener sein.

Du siehst: Die Kunst besteht nicht darin, der beste Akrobat im Leben zu sein, sondern vielmehr darin, wieder Mensch zu sein und das Leben als solches zu leben. Urlaub vom Leben gibt es nicht. Aber ich sage dir: Eine lebendigere Gestaltung des Lebens ist möglich!

Herzliche Grüße sende ich dir, lieber Dieter,

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