Problemlösung in der Badewanne: Wie ihr eure Probleme über Bord werft

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Inspiriert – Authentizität
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Problemlösung in der Badewanne: Wie ihr eure Probleme über Bord werft

Antje Bach, Problemlösung, Unternehmen, Privatleben, Entwicklung

Kompetenz zur Problemlösung hin oder her – du hast ganz recht mit dem, was du mir in deinem Brief geschildert hast: Jegliche Problemlösung bei der Arbeit folgt viel zu oft einem eisernen Muster. Ob Stress mit dem Kollegen, Knatsch im Team, mangelnde Zusammenarbeit, misslungene Ergebnisse oder unbefriedigende Arbeitsbedingungen – die Antwort lautet:

Alles klar, eine Problemlösung muss her!

Und wie wird dieses Auftreiben der Problemlösung dann praktiziert? Der Chef antwortet: „Sie haben ein Problem? Okay, dann bringen Sie doch bitte drei Vorschläge zur Problemlösung mit, dann sprechen wir darüber.“

Ich stimme dir aus ganzem Herzen zu: Das ist ein Unding! Viel zielführender wäre es doch, wenn du mit deinen Problemen baden gehst …

Denn dieses Vorgehen der Führungskräfte, dass jede Problemansprache gleich mit wunderbaren Vorschlägen zur Problemlösung einhergehen muss, hat meiner Meinung nach eine wesentliche Ursache: Es soll die Dauernörgler ausbooten, die über Jahre ganz bequem in der „Schaumwanne mit Quitscheentchen“ liegen und von dort permanent den Problemsee deines Teams kommentieren und erwarten, dass andere die Problemlösung übernehmen. Anstatt den Quenglern das Wasser abzulassen, führen viele Unternehmungen solche „Regeln“ und gängeln damit diejenigen, die sich ernsthaft mit Problemen auseinandersetzen wollen.

Und alle Praktizierenden verkennen dabei:

Sofort Lösungsvorschläge zu verlangen, macht Menschen mundtot.

Vielen wird es wie dir gehen, liebe Verena: Sie gehen mit Problemen überhaupt nicht mehr zu ihrem Chef, weil sie keinen Lösungsvorschlag dafür parat haben. Du hast deinen Chef doch sicher auch nicht unüberlegt um Hilfe gebeten.

Oder – und das kommt deutlich häufiger vor – sie können nicht einmal klar benennen, wo genau das Problem liegt. Sie sehen nur, dass es im Gewässer trübe wird, es ist nur noch nicht sichtbar, wo und wie genau. Wie sollen sie da selbst mit einer Problemlösung aufwarten?

Nun kann ich verstehen, dass es für dich keine Lösung ist, einfach stillzuhalten. Was du brauchst – bei der Arbeit wie auch bei privaten Herausforderungen – sind Räume, in denen eine Verbindung zum Problem entstehen kann. Das sind Räume, in denen du dein Problem oder auch nur dessen Symptome ohne Angst ansprechen und formulieren kannst. In denen du selbst eine klarere Sicht auf das Problem erhältst, aber auch andere Perspektiven einholst. Ein Kunde, eine Freundin, ein Außenstehender – die Menschen, die ein wirkliches Interesse an dir und deiner Situation haben und sich einbringen wollen, können dir helfen, dein Problem klar oder klarer zu sehen. Gemeinsam können Sie des „Pudels Kern“ auf den Grund gehen: Was kann alles dahinter stecken? Wer ist dafür verantwortlich? Welche Möglichkeiten habt ihr und wer kann diese umsetzen?

Achte nur bitte darauf, dass in dieser Runde niemand in alte Schnellschussmuster verfällt nach dem Motto: „Ach, das ist dein Problem – okay, dann löse es so!“

Probleme lösen im Schnellverfahren ist etwas für Anfänger.

Denn sie haben das Problem und vor allem dessen Ursache oft noch gar nicht erschlossen. Mit ihrer fixen Problemlösung schöpfen sie vielleicht ein paar deiner Problemsymptome ab – aber deine Problemwanne ist immer noch gruselig voll!

Die Experten der Problemlösung legen sich zunächst einmal so richtig in diese Wanne hinein. Sie baden in ihrem Problem, suhlen sich geradezu darin. Denn erst wenn du dein Problem aus allen Winkeln betrachtet, abgewägt und dich damit verbunden hast, kannst du zu einer erfolgreichen Problemlösung finden.

Darum: Bade in deinem Problem!

Das öffnet den notwendigen Raum, es konstruktiv und mit lebendigem Blick zu betrachten. Schaffe Räume, in denen Menschen gemeinsam mit Inspiration Probleme ergründen und dann die Chance haben hilfreiche Lösungen zu initiieren.

Verena, bei der Arbeit wird dir dein Vorgesetzter nun vielleicht entgegnen: „Schön und gut, aber wir brauchen doch ein lösungsorientiertes Denken!“ Dann sag ihm einen schönen Gruß von mir: Ich stimme ihm voll und ganz zu. Doch bevor ihr euch an die Problemlösung machen könnt, solltet ihr wissen für welches Problem! Denn was wir Menschen auf den ersten Blick erkennen können, sind häufig oberflächliche Problemsymptome.

Wir monieren beispielsweise: „Ich habe keine Zeit, meine Mutter anzurufen!“ Wie leicht wäre es da, eine oberflächliche „Problemlösung“ zu präsentieren: das eigene Zeitmanagement überarbeiten. Darf ich einmal lachen?

Das ist eine tolle Problemlösung – nur leider für das falsche Problem!

Während du aufwändig deinen Terminkalender neu strukturierst, bleibt der Anruf nämlich nach wie vor ungetätigt. Warum? Weil dich möglicherweise die Angst vor einem Konflikt mit deiner Mutter, dazu verleitet, alles andere voranzustellen. Genau das erkennst du erst, wenn du dich traust, in deinem Problem zu baden. Richtig einzutauchen mit allen Facetten – anstatt nur den Zeh hineinzutunken.

Darum wünsche ich dir, dass du deine Probleme privat und auch bei der Arbeit nicht einfach und bequem wegwischst. Sondern den Mund aufmachst und klar benennst: „Hier kommt etwas ins Strudeln.“ Ermögliche „Biotope“, in denen Menschen dich tatsächlich unterstützen können und die Probleme ernst genommen werden. So kannst du entspannt mit deinem Problem in die Wanne springen – was es tausendmal effektiver abwaschen wird, als wenn du nur fix mit einer scheinbaren Problemlösung drüberschrubbst.

Viel Spaß beim Plantschen und Schaffen von „Biotopen“!

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