Vom Widersinn der Spaltung

Vermeiden heißt am Change scheitern
18. Juli 2020

Vom Widersinn der Spaltung

Kontrolle, Akzeptanz, Blog, Antje Bach

es ist Herbst, die Obstbäume tragen ihre Früchte, sie stehen auf ihrem festen Stamm, verwurzelt mit der Erde. Sie können ihre Umwelt nicht beeinflussen.

Was empfindet ihr bei diesem schönen Bild der Harmonie? Mich macht dies nachdenklich. Denn leider schaffen wir es es immer wieder, diese Einheit zu stören. Wir spalten. 

Mit viel Energie führen wir Spaltungen herbei. Diese sind in keinster Weise für uns Menschen, für Unternehmen oder unsere Gesellschaften hilfreich – ganz im Gegenteil: wir schaffen damit nur Zerfall, Unverständnis, Wirrnis und vielfältige Kämpfe. Dies zieht sich durch die eigene Persönlichkeit, den Umgang mit anderen, den Umgang mit der Umwelt. 

Das ist so, als wenn wir einen großen Anteil der Zeit damit verbringen, unter ganz viel Krafteinsatz einen Baum zu fällen, das Holz zu spalten – und inzwischen haben wir eine Unmenge von Holzscheiten, die unsortiert auf einem Haufen liegen. Und nun: Wie soll er jemals Früchte tragen und warum haben wir ihn abgesägt?

Aus diesem Haufen möchte ich heute zwei gespaltene Scheite ziehen.

Vom Irrwitz der Kontrolle

Es war einmal ein Holzscheit, der in seiner Gesamtheit zum Leben gehört: Kontrolle und Akzeptanz – es gibt Situationen die ich kontrollieren kann und solche, die sich meiner Kontrolle entziehen – die ich akzeptieren soll. 

Dieser Holzscheit wurde gespalten – wir haben ihn zerlegt: Wir glauben zunehmend, wir können alles kontrollieren. Wir glauben, genau das ist überhaupt erforderlich für ein erfolgreiches Leben. Ich kontrolliere meine Karriere, die Ausbildung meiner Kinder, mein Bankkonto, meine Gesundheit und so vieles mehr. Schließlich gibt mir Kontrolle Sicherheit, und ich habe auch das Anrecht auf ein versichertes Leben. Akzeptanz, ach Akzeptanz ist etwas für Schwächlinge, für Kraftlose, für „Looser“.

Aber ist das wirklich so? Ist Kontrolle nicht nur Angst vor dem Leben? Ist übermächtige Kontrolle dann nicht einfach Selbstherrlichkeit, Anmaßung?

Welch ein Anspruch, welch ein Einfordern, welch ein …

Die kontrollierte Machtlosigkeit

Denn was können wir denn schon kontrollieren? Ganz ehrlich, unumwunden, mit klarem Blick – nicht so sehr viel. 

Unser Denken, unsere Einstellungen, unsere Perspektiven, unser … Ja, was denn noch … Alles, was mit Abhängigkeiten zu tun hat, mit unseren Verbindungen in unsere Umwelt – ja, da haben wir keine Kontrolle. Wir können das Denken und Handeln anderer Menschen nicht kontrollieren, wir können die Schicksalsschläge des Lebens nicht kontrollieren und vieles mehr.

Im besten Fall können wir mit Wahrscheinlichkeiten arbeiten und dennoch liegt das Ergebnis nicht in unserer Macht. Ich kann ein gesundes Leben führen – aber ich habe keine Garantie, dass ich lange lebe und bis zum letzten Atemzug gesund bin. Das Ergebnis steht mir nicht zu. Ich kann engagiert und kompetent in meiner Arbeit sein – aber ob ich den nächsten Schritt auf der Karriereleiter gehe, das unterliegt nicht meiner Kontrolle. Wir möchten eine Familie gründen – ob das tatsächlich Wirklichkeit wird, können wir uns nur wünschen.

Und dennoch ist es diese Hälfte des Holzscheits – die Kontrolle –, die wir begehren. Die häufig sinnlos kraftzehrend ist, die Enttäuschung, Frustration und Ernüchterung mit sich bringt und an der dennoch wir festhalten – so oft verzweifelt und gleichzeitig ahnend, all das unterliegt nicht unserer Beherrschung.

Die befreiende Akzeptanz 

Und die Akzeptanz? Ja, sie könnten wir auch ganz nüchtern in unser Leben miteinbeziehen. Wie gehe ich mit den Situationen um, die ich einfach nicht ändern kann? Welche Kompetenzen und Fähigkeiten brauche ich denn dafür? 

Akzeptanz heißt auch Freiheit – sich eingestehen, dass ich jetzt nichts ändern kann, befreit. Aus Freiheit entstehen neue Handlungsmöglichkeiten, neue Verhaltensweisen, raus aus alten Mustern und Gewohnheiten, und dann: Ja, vielleicht ergeben sich erst in der Akzeptanz von Gegebenheiten neue Möglichkeiten. Das ist erst wirklich die Chance zu erleben, was noch alles in uns „schlummert“, das sich bisher nicht zeigen konnte. Fähigkeiten, die von euch nie gebraucht wurden, die sich nie zeigen mussten – und nun haben sie den Raum. 

Was entsteht, wenn ihr eine Situation akzeptiert, die ihr als unerquicklich erlebt – was geschieht dann in und mit euch? Welche neuen Kräfte werden dann frei?

Memento homo

„Denke daran, dass du nur ein Mensch bist!“

Wir sind Menschen und als solche gehören Gegensätze zu uns. Mit dem Streben nach dem einen und dem Verneinen des anderen … Sind wir damit wirklich gut und fest in unserem Leben unterwegs? Sind wir dann noch in unserem Mensch-Sein oder versuchen wir mehr und mehr in der zunehmenden Künstlichkeit der Welt selbst künstlich zu werden? Kleine Plastikbäumchen in Plastiktöpfen, nicht gedeihend, nicht wachsend, nichts spürend, nichts gebend, nicht vergänglich, doch immerhin mit der Hoffnung, hin und wieder abgestaubt zu werden. 

Ist das dann der Preis dafür? 

Gelingendes Leben bedeutet doch auch, wirklich zu leben und sich auf das einzustellen, was das Leben uns in genau diesem Moment „zuspielt“ – und in diesem Moment das „Spiel des Lebens“ anzunehmen.

Ich wünsche euch einen harmonischen Tag ohne Spaltungen, mit einem festen Baumstamm, vielfältigen Früchten und interessanten Momenten der Kontrolle und Akzeptanz.

 

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